Die Kirche lebt. Die Kirche ist jung.
Ein eindrucksvolles Zeugnis einer jungen, lebendigen und prophetischen Kirche gaben während der Zeit vom 24. bis zum 28. März 2010 etwa 300 junge Delegierte aus 93 Ländern und über 30 internationalen kirchlichen Bewegungen. Sie waren der Einladung des Päpstlichen Rates für die Laien unter der Leitung des Kardinals Stanislaw Rylko nach Rocca di Papa (Rom) gefolgt und beschäftigten sich während der Konferenz mit dem Thema „Learning to Love“. Patrycja Kwapik, Leiterin der Kolpingjugend Polen, und Tim Schlotmann aus dem Diözesanverband Münster vertraten während der Konferenz das Internationale Kolpingwerk.
Die Worte Papst Benedikt XVI. von einer jungen, lebendigen Kirche, die die Zukunft der Welt in sich trägt, wurden greifbar, als Jugendliche aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten gleich zu Beginn Einblicke in ihre ganz persönlichen Lebenswege gewährten. Vier Forum-Teilnehmer aus Uruguay, Madagaskar, Russland und Usbekistan berichteten über ihre ersten Begegnungen mit der Liebe Gottes, die in ihnen als Berufung den Grundstein zum Engagement in den jeweiligen Organisationen der nationalen Kirchen legen sollten. Dass die Berufung zur Liebe den postmodernen Menschen zu einer besonderen Wachsamkeit gegenüber Gott und den vielfältigen gesellschaftlichen Entwicklungen anhalte, hatte bereits Kardinal Rylko in seinen Begrüßungsworten betont.
Besonderes Augenmerk legten die Delegierten schließlich auf die christliche Ehe als Ort der Berufung und als wichtiges Fundament einer christlichen Zivilisation der Liebe. Neben Fachvorträgen aus den Bereichen Theologie und Psychologie regten junge und erfahrene Eheleute mit ihren Berichten die jungen Teilnehmer zum weiteren Nachdenken konkreter Fragestellungen an. In international bunt gemischten Kleingruppen wurden die Fragen zur Zukunft des christlichen Ehesakraments und der Bedeutung der Erziehung für ein gelungenes Leben als Zeuge einer Liebe, die vom christlichen Gott selbst herkommt (Johannes 15), ausführlich diskutiert. Vor dem Hintergrund individueller Lebenserfahrungen und unter Berücksichtigung der Standpunkte der in Rocca di Papa vertretenen kirchlichen Bewegungen wurden die Aspekte nicht nur reflektiert, sondern auf die konkreten Situationen in den Ländern und Bewegungen zugespitzt.
Die beiden Vertreter des Kolpingwerkes International nutzten die Gelegenheit, um jenen Delegierten einen Einblick in das facettenreiche Wirken ihres international agierenden Verbandes zu gewähren, die zuvor noch keine Erfahrungen mit dem Werk Adolph Kolpings gemacht hatten. Besonders das Engagement für Jugendliche und nicht zuletzt der Einsatz zum Wohle der Familie fungierten hier als unmittelbare Anknüpfungspunkte.
Für Patrycja Kwapik und Tim Schlotmann wie für die weiteren Beteiligten war es insbesondere die spirituelle Erfahrung, die dem Forum seinen besonderen Rahmen verleihen sollte. Gemeinsam mit dem deutschen Kurienbischof Josef Clemens und Kardinal Stanislaw Rylko sowie wechselnden namhaften kirchlichen Vertretern, darunter dem Erzbischof von Bologna Kardinal Carlo Carraffa, feierten die jungen Christen täglich die Heilige Messe. Am Freitagabend fand ein gemeinsames Gebet mit dem von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1984 gestifteten Weltjugendtagskreuz statt.
Als Höhepunkte der Konferenz erlebten die Delegierten gleich zwei Begegnungen mit Papst Benedikt XVI. Am Donnerstag, 25. März feierten sie gemeinsam mit 75000 Jugendlichen aus Rom und der Region Lazio auf dem Petersplatz das 25-jährige Jubiläum des Weltjugendtags, jener Begegnung, die seit dem Jahr 1986 wechselnd in Rom oder irgendwo auf dem Erdball die Jugendlichen aller Kontinente zusammenführt. Einer Führung für die Gruppe durch den abgesperrten Petersdom folgte die Begegnung auf dem Petersplatz. Papst Benedikt XVI. nahm im Dialog mit den Jugendlichen Stellung zu jenem Schriftwort, das als Motto des XXV. Weltjugendtags diente: „Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?“ (Markus 10,17). Am Palmsonntag schließlich war die internationale Gruppe erneut ganz vorne in der Nähe des Altars, an dem der Heilige Vater die Heilige Messe zelebrierte. Der Weltjugendtag des Jahres 2011 wirft seine Schatten voraus. „Nos vemos a Madrid“ lautete der Slogan, der das Forum nach sechs lehrreichen und tief spirituellen Tagen abschließen sollte.
Text: Patrycja Kwapik | Tim Schlotmann, 31.03.2010



