Europäische Kolping Jugendbegegnung findet diesmal von 9. bis zum 17. August 2010 in Troškūnai / Litauen statt
Länderporträt Litauen

Litauen liegt an der Ostsee. Es grenzt im Norden an Lettland und im Osten an Weißrussland. Nachbarn im Südwesten sind Polen und Kaliningrad (Exklave der Russischen Föderation).
Litauen ist der flächenmäßig größte und bevölkerungsreichste baltische Staat. Am 16. Februar 1918 erklärt Litauen seine Unabhängigkeit, die 1920 von Sowjetrussland anerkannt wird. 1940 wird Litauen Sozialistische Sowjetrepublik. In den späten 80er Jahren entsteht die “Bewegung für die Perestrojka” (Sajudis), die für Demokratie und nationale Autonomie eintritt. Seit dem 11. März 1990 ist Litauen wieder unabhängig.
Reisetipp Litauen
In Litauen, dem größten und südlichsten der drei baltischen Staaten, ist vor allem eine sehr außergewöhnliche Landzunge bekannt: die kurische Nehrung. Hundert Kilometer Sand, Sand, Sand, schneeweiß, mit langgestreckten Dünen. Thomas Mann schrieb einmal, auf der kurischen Nehrung käme man sich vor wie in der Sahara – auch genauso verloren. Was man als Tourist in Litauen Schönes machen kann – SWR4-Reporterin Antje Dietrich hat ein paar Reisetipps für Sie.
“Wassertourismus”
ist in Litauen hat ein gutes Stück Ostseeküste mit wiederaufstrebenden altehrwürdigen Seebädern und edlen Stränden. Die ursprünglichsten und unberührtesten Ecken findet man aber im Litauischen Hinterland. Da gibt es Wälder mit seltenen Pflanzen und Tieren. Aber nicht nur das, sagt Brone Lipschiene, die aus Palanga stammt, dem litauischen Badeort: “Es gibt 3000 Seen, 200 Flüsse, Wassertourismus ist in Litauen ist sehr populär.”
Natürlich meint Brone Lipschiene mit Wassertourismus keine Kreuzfahrtdampfer mit grölenden Reisegruppen. Es geht hier um einen eher bescheidenen, naturverbundenen Tourismus. Oft sind es junge Leute, die sich auf die Fluss- und Seenreise machen.
Vilnius – Weltkulturerbe zwischen sieben Hügeln
Viele Fahrradfans haben Litauen als neues Urlaubsland entdeckt. Manchmal sind sie stundenlang auf Feldwegen und kleinen Straßen unterwegs, ohne jemandem zu begegnen. Kein Wunder, dass Reisebüros für Litauen jede Menge Radwanderungen im Programm haben. Wenn man mit dem Flugzeug kommt, ist die erste Anlaufstelle natürlich die Hauptstadt Vilnius. Armin Lipschies, der seit vielen Jahren in Lampertheim lebt, aber aus Litauen stammt, schwärmt von dieser baltischen Hauptstadt: “Vilnius hat 600.000 Einwohner, liegt zwischen 7 Hügeln, ist sehr grün. Durch Vilnius fließt der Fluss Neris.”
Die Unesco hat die Altstadt von Vilnius zum Weltkulturerbe erklärt. Man sollte sich hier unbedingt Zeit nehmen, findet Armin Lipschies, und sich in Ruhe umschauen: “Das ist eine schöne alte Stadt, eine Altstadt mit viel Geschichte, Restaurants, Kulturstadt, Angebote, Galerien, es gibt eigentlich für jeden etwas.”
Freundlich mit Händen und Füßen
Auch wenn die Litauer auf den ersten Blick ein wenig schweigsam und verschlossen wirken – sie gelten als sehr freundlich und hilfsbereit. Sprachbarrieren? Kein Grund zur Sorge, sagt Brone Lipschiene: “In Städten kann man schon mit Englisch was anfangen, besonders in Hotels, Geschäften. Englisch und teilweise auch Deutsch.”
Wenn man in die Provinz kommt, zum Beispiel in einen der Nationalparks, dann ist allerdings ein bisschen Improvisation
gefragt: “Auf dem Land muss man mit Händen und Füßen sprechen, aber die Leute sind sehr freundlich, werden auch diese Sprache verstehen.”
Alles aus Bernstein
Litauen ist noch nicht lange in die Selbständigkeit zurückgekehrt. Eine perfekte touristische Infrastruktur sollte man also nicht erwarten. Ja, und für den Fall, dass Sie mal nach Litauen fahren, verrät Ihnen Brone Lipschiene, was Sie von dort als Souvenir mitbringen werden: “Bernsteinschmuck, Bernsteinschlüsselanhänger, alles aus Bernstein.”
Antje Dietrich, SWR4
Links zum Litauen Entdecken: http://www.litauen.info/
http://www.litauen-netz.de/150/infos.html
http://www.litauen-info.de/index.php/medien/bilder.html
Essen und Gastfreundschaft in Litauen

Die Litauer essen gern gut und herzhaft. Gutes und herzhaftes Essen hat in Litauen lange Tradition, eine alte Volksweisheit besagt: »Wer gut isst, arbeitet gut«. Die litauische Küche ist einfach, doch schmackhaft. Eine gute Köchin kann auch aus einfachen Zutaten eine feine Mahlzeit zubereiten. Der Volksmund sagt, eine jede Köchin rührt den Topf auf ihre Weise.
Traditionellerweise bereitet bis heute die Mutter das Essen zu. Sie gibt ihre Kenntnisse an die weiblichen Mitglieder der nächsten Generation weiter. Früher wurden bei der Zubereitung der Mahlzeiten nur Saisonprodukte verwendet, doch seit etwa 25 Jahren sind frisches Obst, Gemüse und frische Kräuter das ganze Jahr über erhältlich – importiert oder aus örtlicher Produktion. Dasselbe gilt auch fürs Fleisch: Heute wird mehr Frischfleisch als gepökeltes oder geräuchertes verwendet. Die litauische Küche hat ihr heutiges Gesicht im Laufe der Jahrhunderte erhalten und wurde wesentlich von der Küche der benachbarten Länder beeinflusst. Ein Beispiel für eine eigentlich ausländische litauische Spezialität ist der aus Deutschland stammende Kartoffelkuchen (Kugelis), der heute in ganz Litauen beliebt ist.
Litauen besteht aus fünf ethnischen Regionen und jede dieser Regionen besitzt typische regionale Spezialitäten. Die Bewohner des östlichen Hochlands, der Aukštaitija, sind bekannt für ihre Pfannkuchen und Quarkgerichte. Für das Tiefland im Nordwesten, die Žemaitija, typisch sind eine besondere Art von Butter, genannt Kastinys, sowie Breie und Eintöpfe. Der Südosten des Landes, die Dzūkija, ist geprägt von Sandböden und Wald. Deshalb kommen dort vor allem Buchweizen, Pilze und Kartoffeln auf den Tisch. Die Bewohner von Südwestlitauen, der Suvalkija, mögen geräuchertes Fleisch und Würste sowie »Zeppeline«. Fisch spielt eine wichtige Rolle in der Küche der Küstenbewohner und der Bevölkerung in Fluss- oder Seenähe.
Die Unterschiede sind heute viel weniger markant als früher. Trotzdem werden die regionalen Spezialitäten in Litauen auch weiterhin gepflegt. Normalerweise nehmen die Litauer drei Mahlzeiten pro Tag zu sich, in Zeiten harter Feldarbeit kommen je eine Zwischenmahlzeit am Morgen und am späteren Nachmittag dazu. Frühstück und Mittagessen sind reichhaltig. Brei, Pfannkuchen und Suppen kommen am Morgen auf den Tisch, Suppen, Fleisch und Kartoffeln am Mittag. Das Abendessen ist meist leicht, doch gut sättigend, denn eine alte Volksweisheit besagt: »Mit leerem Magen kein Schlaf«.
Für die Litauer ist das Essen heilig und sie verhalten sich deshalb Tisch wie in der Kirche – ruhig, ordentlich und mit Ehrfurcht. Die Sitzordnung bei Tisch ist so festgelegt, dass der Vater oben sitzt, die Mutter ihm gegenüber, der älteste Sohn zur Rechten des Vaters, die anderen Familienmitglieder neben dem Sohn. Diese Sitzordnung wird heute meist nur noch an Festtagen eingehalten, wenn die ganze Familie sich versammelt.
Die alte Tradition, dass Brot zuerst auf den Tisch kommt, wird dagegen bis heute beachtet. Ein Gast, der während des Essens ankommt, begrüßt die Familie mit »skanaus« (guten Appetit). Falls der Vater dies mit »prašom« (bitte) beantwortet, ist der Gast bei Tisch willkommen, falls er jedoch »ačiū« (danke) sagt, ist dies nicht der Fall. Wer fertig gegessen hat, dreht den Löffel um und bekundet damit, er habe genug gegessen und die Mahlzeit habe ihm geschmeckt.
Niemand verlässt den Tisch, bevor alle zu Ende gegessen haben. Alle danken der Köchin, der Mutter, für das köstliche Mahl und diese antwortet »į sveikatą« (Gesundheit).





